Im Detail
Das Wort geht auf mittellateinisch manufactura („Handarbeit“) zurück, gebildet aus lateinisch manus („Hand“) und factura („das Machen“). Manufakturen entstanden in Europa vor allem in der Frühen Neuzeit, aus privater wie aus staatlicher Initiative, besonders in den absolutistisch regierten Ländern – etwa für Porzellan, Seide, Tapisserien, Lederwaren, Uhren oder Waffen. In ihnen arbeiteten Handwerker verschiedener Berufe oder spezialisierte Teilarbeiter gemeinsam an einem Endprodukt.
Von der Fabrik unterscheidet sich die Manufaktur durch eine geringere maschinelle Ausrüstung und die überwiegende Arbeit mit der Hand; die Grenzen sind fließend. Im Zuge der Industrialisierung wurden Manufakturen weitgehend von Fabriken verdrängt.
Heute steht das Wort, oft in Zusammensetzungen wie Uhren-, Porzellan- oder Möbelmanufaktur, für Betriebe, die spezialisierte Produkte ganz oder teilweise in Handarbeit herstellen. In Deutschland hat das Oberlandesgericht Frankfurt am Main die Firmierung als „Manufaktur“ für irreführend gehalten, wenn nicht überwiegend in Handarbeit gefertigt wird (Beschluss vom 29.06.2021, 6 U 46/20). Das Publikum verbinde mit dem Begriff im Gegensatz zur industriellen Herstellung eine Herstellungsstätte mit langer Tradition und Handfertigung; einen Bedeutungswandel hin zu einem bloßen Synonym für „Fabrik“ oder „Unternehmen“ sah das Gericht noch nicht.