Im Detail
Richtungsweisend war Cecil Reddie, der 1889 in Uttoxeter in England das Landerziehungsheim Abbotsholme eröffnete. Die Gründer sahen im Landerziehungsheim eine „pädagogische Insel“: Fern der Städte sollten junge Menschen in einem geschützten Umfeld und mit einer gesunden, naturnahen Lebensweise erzogen werden.
In Deutschland eröffnete der Pädagoge Hermann Lietz (1868–1919) am 28. April 1898 das erste „Deutsche Landerziehungsheim“. In seinem Gründungsaufruf nannte er als Mittel unter anderem den Aufenthalt auf dem Land, die Gemeinschaft von Erziehern und Zöglingen, tägliche Körperübungen, praktische Arbeit und wissenschaftlichen Unterricht. Die Landerziehungsheime wurden zum Erprobungsfeld der Reformpädagogik. Der Zusammenschluss „Die Internate Vereinigung“ mit Internatsschulen in Deutschland und der Schweiz hieß früher Vereinigung deutscher Landerziehungsheime.
In der Schweiz wurde 1899 eine bestehende Berner Privatschule in ein Landerziehungsheim umgewandelt, die erste Neugründung folgte 1902. In den 1950er Jahren veränderten viele dieser Schulen Profil und Struktur, die Unterschiede zu anderen Privatschulen verringerten sich, und der Begriff verschwand dort weitgehend.